In den vergangenen Jahren habe ich vieles geleistet – oft mehr, als mir selbst gutgetan hat. Ich habe Bücher geschrieben, unglaublich viel gearbeitet, auf Urlaub und Privatleben verzichtet, mich bei Regen, Hitze, Schnee ehrenamtlich engagiert, alles mit viel Herzblut. Ich habe mich um Menschen in sehr herausfordernden Situationen gekümmert, sie begleitet und getragen. Nicht zuletzt um meine 90-jährige Schwiegermutter, die viel Fürsorge braucht. Ich war da, wenn andere nicht konnten. Ich habe gehalten, genährt, ermöglicht. Und ich habe zusätzlich währenddessen zahlreiche Aus- und Weiterbildungen absolviert und ein Studium begonnen.
Und während ich nach außen so präsent war, habe ich innerlich oft meine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt. Meine Gesundheit? Kam zu kurz. Die letzten Monate haben mir das deutlich gezeigt – mein Körper hat sich gemeldet, deutlich und unüberhörbar. Die Diagnose: Epilepsie. Ein Schock, ja. Aber auch ein Weckruf.
Es ist Zeit, innezuhalten.
Im Oktober werde ich gemeinsam mit meinem Mann den portugiesischen Jakobsweg gehen. Den Camino Portugues – ein alter Pilgerweg, der uns Schritt für Schritt näher zu uns selbst führen wird. Kein Urlaub, kein Spaziergang, keine Flucht. Sondern eine bewusste Reise zu dem, was jetzt wirklich zählt.
Ich wünsche mir Klarheit. Eine neue Ausrichtung. Raum zum Spüren. Zeit für Fragen, die bisher im Lärm des Alltags untergegangen sind: Was darf bleiben? Was darf gehen? Was tut mir gut? Und wie möchte ich mein Leben in Zukunft gestalten?
Der Jakobsweg soll mir helfen, Antworten zu finden. Nicht alle auf einmal. Aber vielleicht eine nach der anderen. Im Rhythmus der eigenen Schritte, begleitet vom Wind des Atlantiks, vom Klang der Glocken und vom Schweigen zwischen zwei Atemzügen.
Ich bin bereit, aufzubrechen. Nicht weil alles schlecht war. Sondern weil jetzt etwas Neues entstehen darf.
