Kürzlich habe ich das Buch „Leichtes Herz und schwere Beine – Mit Mama auf dem Jakobsweg“ von Tobias Schlegel gelesen. Es erzählt von seiner Wanderung auf dem Camino Francés ab Pamplona – gemeinsam mit seiner 70-jährigen Mutter. Für ihn ist diese Reise eine Chance, ihr wieder näherzukommen und eine neue, erwachsene Beziehung zu ihr aufzubauen. Unterwegs sprechen sie über Wünsche, Träume und das, was im Alltag oft ungesagt bleibt. Der Jakobsweg wird zum Raum für Begegnung, bevor es zu spät dafür ist.
Diese Geschichte hat mich berührt. Vielleicht auch, weil sie mir zeigt, was in meinem Leben nicht mehr möglich ist.
Meine Mutter, mit der wir als Kinder oft wandern waren, ist an Brustkrebs gestorben, als ich 18 war und gerade die Matura machte. Heute, mit 57, bin ich älter, als sie es je wurde. Es gab keine zweite Chance für Gespräche, keine Gelegenheit, zu sehen, wie ihr Leben weitergegangen wäre, und wie das vielleicht meines verändert hätte.
Danach habe ich Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg“ gelesen. Der Film zum Buch hat mit dem Originaltext nur wenig zu tun. Viele Schlüsselszenen wurden hinzuerfunden, vieles aus dem Buch wurde weggelassen. Trotzdem: Ich finde beides empfehlenswert. Auf unterschiedliche Weise geben sie Einblick in das, was der Weg mit einem Menschen machen kann.
Weitere Lektüre zum Jakobsweg wird es für mich allerdings nicht geben.* Paulo Coelho oder Shirley MacLaine werde ich nicht lesen, das ist nicht meine Welt. Ich bin kein spiritueller Mensch. Ich brauche keine Feen, Engel oder Nymphen, um das Wunder der Natur zu sehen. Und doch glaube ich an die Kraft des Weges. An die stille, manchmal tiefgreifende Veränderung, die im Gehen selbst liegt oder an die unterschiedlichen Begegnungen mit anderen und sich selbst.
* Natürlich wird es weitere Lektüre geben: Reiseführer oder andere Bücher. Ich möchte nur nicht den Fehler machen, zu viel in diesen Weg hineinzuinterpretieren und mit gesteigerter Erwartungshaltung in dieses Unterfangen hineinzugehen, um dann enttäuscht zu werden, weil es eben nur ein langer Weg ist.
