Heute hat der Camino für uns eine Pause eingelegt. Nicht, weil wir es wollten, sondern weil der Körper ein deutliches Zeichen gesetzt hat. Konrads Füße, die ihn so viele Kilometer getragen haben, sind wund, erschöpft und verletzt. Jeder Schritt würde nun mehr zerstören als voranbringen.

Wir fahren morgen nach Vigo, um im Hospital ärztliche Hilfe zu suchen. Es ist kein leichter Moment. Der Kopf sagt, wir sollten weitermachen. Das Herz sagt, wir dürfen anhalten. Der Camino verlangt gerade nicht mehr Kraft, sondern Achtsamkeit.
Vielleicht bleiben wir ein paar Tage in Vigo. Vielleicht kehren wir heim und setzen den Weg ein anderes Mal fort. Vielleicht verwandelt sich unsere Pilgerreise in etwas Neues – in eine stille Zeit des Heilens, des Reflektierens, des Loslassens.
Wir haben in den letzten Tagen viel über Vertrauen gelernt. „The Camino provides“ – der Weg sorgt für das, was man wirklich braucht. Manchmal sind das Begegnungen, manchmal ein Ziel in der Ferne. Heute ist es die Erkenntnis, dass auch das Innehalten Teil des Weges ist.
Unser Buchprojekt wird weiterleben, nur anders. Es wird eine Geschichte über Mut, Grenzen, Schmerz und das Geschenk des Stillstands. Vielleicht ist dies gerade der wichtigste Abschnitt unseres gesamten Camino – der Moment, in dem der Weg uns lehrt, nicht weiterzugehen.
